Projekte und Aktionen für Artenvielfalt
Unter dem Motto „Blühender Landkreis Traunstein“ werden Maßnahmen zur Steigerung der Arten- und Strukturvielfalt in Landschaft, Kommune und Garten durchgeführt. Blüten besuchende Insekten (Wildbienen, Hummeln etc.) werden durch gezielte Projekte gefördert.
Die traditionellen Obstanger (Streuobstwiesen) beherbergen eine große Zahl unterschiedlichster Obstsorten, von denen viele in Vergessenheit geraten sind. Ziel des von 2019 bis 2024 laufenden Biodiversitäts-Projekts ist die Findung, Erhaltung und Wiederverbreitung alter, seltener Obstsorten. Bislang sind im Projektgebiet gut 260 unbekannte oder extrem seltene Apfel- und Birnensorten entdeckt worden, die in Schau- und Erhaltungsgärten aufgepflanzt werden. Im Landkreis Traunstein entsteht seit 2022 am Hilgerhof in Niederbrunn, Gemeinde Pittenhart, auf rund drei Hektar einer von zwei Erhaltungsgärten, die das gesamte Sortiment beherbergen.
Beteiligt sind im Großprojekt neben dem Landkreis Traunstein die Regierung von Oberbayern, der Bayerische Naturschutzfonds, der Bezirksverband Oberbayern für Gartenkultur und Landespflege e.V., die Landkreise Weilheim-Schongau, Bad-Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Rosenheim und Berchtesgadener Land (Biosphäre).
Blütenflächen für einheimische Insekten werden an ausgewählten Landkreis-Schulen geschaffen. Jeder Quadratmeter Blütenvielfalt zählt und bringt so die Wertschätzung und bunte Abwechslung an die Schulen.
Am Alten Schulamt (Crailsheimstraße, Traunstein) werden in Kooperation mit dem Verband Bayerischer Bienenzüchter e.V., Ortsgruppe Traunstein, Bienen- und Hummelkästen aufgestellt. Die Stadt bietet mit einer Vielzahl an Gärten und Blüten einen abwechslungsreichen Lebensraum auch für Bienen und Co.
Die auch als Durchwachsene Becherpflanze bezeichnete Silphie vereint ökonomischen Nutzen und ökologischen Vorteile durch ungestörtes Bodenleben und sommerliche Blütenbesucher. Die Etablierung dieser bei uns neuen Ackerkultur wird in einem Kooperationsprojekt gefördert durch den Blühenden Landkreis Traunstein, das Regionalmanagement und den Maschinenring Traunstein. So sind innerhalb weniger Jahre überwiegend im nordwestlichen Landkreis 100 Hektar Anbaufläche entstanden.
Das Netz der Kreisstraßen durchzieht mit 380 km den ganzen Landkreis. Die Pflege dieser Strecken ist wichtig für den Erhalt der Verkehrssicherheit. Der Kreisbauhof pflegt dennoch möglichst extensiv und schonend, um Blütenvielfalt zu erhalten. Wie diese Vielfalt gefördert werden kann, wird seit 2017 auf Teilabschnitten getestet. Entstanden ist eine praxistaugliche Vereinbarkeit im Mähkonzept.
Artikel in der Zeitschrift "ANLiegen Natur"
Gemeinsam mit interessierten Gemeinden im Landkreis werden in diesem Projekt blühende Flächen und bunte Vielfalt geschaffen. Beim Projekt nehmen die Bauhof- und Gärtnerei-Mitarbeiter der Gemeinden teil, damit das Wissen um die Anlage und Pflege zukünftig vor Ort ist für weitere eigene Aktivitäten.
Der Landkreis hat 2017 nahe Übersee auf eigenem Grund eine große Blumenwiese geschaffen. Hier zeigt sich auf EINER Fläche die Vereinbarkeit von Landwirtschaft (extensive Wiesennutzung), Naturschutz (Lebensraum für Pflanzen und Tiere), Ökokontonutzung (als Ausgleichsfläche) und bunter Schönheit. Die schönste Blütenfülle ist von Mais bis Juni, der zweite Höhepunkt im August.
Der Landkreis fördert die Bio-Zertifizierung von Streuobstwiesen. Ziel ist eine stärkere In-Wert-Setzung des Obstes und der Pflege der Bäume. Sinn macht die Zertifizierung, wenn der Ertrag überwiegend nicht dem Eigenverbrauch dient. Die Abwicklung erfolgt durch den Landschaftspflegeverband.
Die Kreisfachberatung fördert Natur und Biodiversität im Garten gemeinsam mit dem Kreisverband Traunstein für Gartenkultur und Landespflege e.V.. Für artenreiche und vielfältige Gärten wird seit 2019 die Auszeichnung „Naturgarten – Bayern blüht“ vergeben. Mittlerweile tragen über 50 Gärten im Landkreis dieses Prädikat.
Gute Gesundheit, reicher Ertrag und bester Geschmack sind wichtige Kriterien für empfehlenswerte Obstsorten in Gärten und auf Streuobstwiesen. Bei Rosen ist neben der schönen Blüte die Widerstandskraft gegen Krankheiten entscheidend, um auf Pflanzenschutzmittel getrost zu verzichten. Für Sortenempfehlungen steht der Kreisfachberater jederzeit zur Verfügung.