Bildung & Kultur • 04.06.2026

Gelebtes Kulturerbe auf der Alm

Almauftrieb und Almabtrieb, Bergmessen, Jodeln, Musik und überliefertes Handwerk – vieles von dem, was heute als typisch für den Alpenraum gilt, hat seinen Ursprung auf den Almen. Welche Bedeutung die Almwirtschaft bis heute für Kultur und Brauchtum hat, wurde bei einem Pressetermin auf der Schwarzachenalm bei Ruhpolding deutlich.

Landrat Andreas Danzer und Maria Stöberl, Geschäftsführerin des Verbands der Forstberechtigten, stellten die Almwirtschaft als immaterielles Kulturerbe vor. Dabei wurde deutlich, dass sich hinter diesem Begriff weit mehr verbirgt als einzelne Traditionen oder Feste. Die Almwirtschaft habe über Jahrhunderte eine eigene Kultur hervorgebracht – geprägt vom Leben und Arbeiten in den Bergen und vom engen Verhältnis zwischen Mensch, Tier und Natur.

Viele Bräuche, die heute fest zum kulturellen Leben im Alpenraum gehören, sind eng mit der Almwirtschaft verbunden. Dazu zählen Almauf- und Almabtrieb, Bergmessen, Almkirtage und das festliche Schmücken des Viehs. Auch Musik, Gesang und Jodeln entstanden aus dem Alltag auf den Almen. Hinzu kommen zahlreiche Handwerkstechniken und ein umfangreiches Erfahrungswissen über Tiere, Wetter, Pflanzen und Landschaftspflege, das bis heute weitergegeben wird.

Wie dieses Wissen in der Praxis aussieht, zeigte Landwirt Hans Thullner vom Plenkerhof. Auf der Schwarzachenalm demonstrierte er den Bau eines traditionellen Stagettenzauns. Solche Techniken gehören seit Generationen zum Alltag auf den Almen und werden vielerorts noch heute angewandt.

Gleichzeitig ist die Almwirtschaft bis heute die Grundlage dafür, dass die charakteristische Almlandschaft erhalten bleibt. Die Beweidung hält die Flächen offen, schafft Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und ermöglicht vielen landwirtschaftlichen Betrieben die Nutzung ihrer Talflächen für die Winterfuttergewinnung.

„Die Almwirtschaft lebt davon, dass sie weitergetragen wird. Mit der Anerkennung als immaterielles Kulturerbe würdigen wir eine Lebens- und Wirtschaftsform, die unsere Landschaft, unsere Kultur und unsere Heimat seit Jahrhunderten prägt“, betonte Landrat Andreas Danzer.

Die Schwarzachenalm zeigte damit beispielhaft, wie eng Brauchtum, Landschaftspflege und Landwirtschaft miteinander verbunden sind. Die Almwirtschaft ist nicht nur Teil der Geschichte des Alpenraums – sie wird bis heute gelebt und weiterentwickelt.



Landrat Andreas Danzer, Maria Stöberl, Dr. Birgit Löffler und Hans Thullner auf der Schwarzachenalm